Erfolgreicher August – regionaler Schwalbenzug 2021 total verändert (Stand 11.10.2021)

Das Schwalbenjahr ist nun vorüber. Im August konnten wir noch viele Jung- und Altvögel markieren. Und auch eine dritte Brut feststellen. Der Dauerregen in dem Monat führte jedoch dazu, dass Jungvögel im Nest gestorben sind. Dieses Phänomen war mehrere Jahre nicht aufgetreten.

In den ersten Septembertagen verließen die letzten Rauchschwalben die Höfe im Kohrener Land. Wie und wann sie in Richtung Afrika gezogen sind, entzieht sich unserer Kenntnis. Trotz intensiver Suche im Gebiet der Eschefelder Teiche, teilweise mit vier Menschen auf einmal, ist es bis Anfang Oktober uns nicht gelungen einen Schlafplatz zu finden. Ebenso geschah es vielen Kollegen in Mitteldeutschland: Sie mussten feststellen, dass ihre langjährigen Brutplätze nicht besetzt waren.

Wir konnten im August noch eine interessante Beobachtung machen. Die Lücken im Brutgeschehen, die vom Nichterscheinen der angestammten Altvögel geschaffen wurden, schlossen Jungvögel aus dem Vorjahr. Und zu unserem großen Erstaunen Jungvögel aus dem Kohrener Land. Normalerweise beobachten wir ein bis zwei Jungvögel im Jahr, die sich wieder in unserem Untersuchungsgebiet ansiedeln. Dieses Jahr waren es aber über sieben im Vorjahr erbrütete Jungvögel.

Nun hoffen wir, dass unsere Schwalben gut in Afrika zurecht kommen und auf ein gutes Schwalbenjahr 2022. Und das wir endlich vom LfULG unsere Förderung für weiter Geolokatoren bekommen, die wir vor über 16 Monaten beantragten. Eine solch lange Bearbeitungszeit ist absolut unzufriedenstellend. Sie zerstört im Ehrenamtsbereich Strukturen, die man für die Projektförderung vorgehalten hatte.

 

Rätsel im Kohrener Land: Wo sind die Altvögel? (Leipziger Volkszeitung, Borna-Geithain, 05.08.2021, Lokales, Seite 1)

Vor einem Rätsel steht Rauchschwalben-Experte Tomas Brückmann: Er vermisst auf den Höfen zwischen Narsdorf und Eschefeld zahlreiche Altvögel, die er und seine Helfer in den vergangenen Jahren im Kohrener Land beringten. Er spricht vom „schlechtesten Bestand“ seit Beginn der Aufzeichnungen 2003. Was aber nicht bedeutet, dass viel weniger Rauchschwalben brüten. Andere Altvögel füllen die entstandene Lücke.

Auf dem Zug muss etwas passiert sein

„Die Quote der Wiederfunde liegt aktuell bei 27 Prozent. Üblich sind bis zu 40 Prozent. Das bedeutet, dass viele Altvögel nicht mehr da sind, dass unterwegs auf ihrm Zug etwas geschehen sein muss“ , sagt Brückmann von der Grünen Liga. Er befasst sich seit fast zwei Jahrzehnten intensiv mit der Rauchschwalbe im Kohrener Land. Die Gründe für dieses Phänomen seien aber noch unklar.

Die Vögel seien sehr früh aus ihren Winterquartieren in Afrika zurückgekehrt, die ersten Ende März/Anfang April. Das Gros der Schwalben sei Mitte April, an einem heißen Tag Anfang Mai und schließlich Ende Mai gefolgt. Das Brutgeschäft begann der kühlen Witterung wegen später als in anderen Jahren. Die Feuchtigkeit kam den Vögeln jedoch zweifach zupass: Sie fanden mehr Insekten und Material für einen stabilen Bau ihrer Nester.

Mehr als 300 Schwalben neu beringt

Bisher haben Brückmann & Co. 300 Nestjunge und drei Dutzend Altvögel beringt. In den letzten Juli-Tagen widmeten sie sich den Jungvögeln der zweiten Brut. Rauchschwalben werden vor allem dort heimisch, wo es ausreichend Insekten gibt, auf Höfen mit Viehhaltung und Misthaufen etwa. Zudem helfen ihnen Blühwiesen. Drohen Nester abzustürzen, empfiehlt Brückmann, sie zu sichern oder mit künstlichen Nester zu ersetzen. Diese seien im Fachhandel erhältlich.

Ekkehard Schulreich