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Markierung - Beringung

Die GRÜNE LIGA Kohrener Land beteiligt sich mit ihrem Rauchschwalbenprojekt an dem internationalen Beringungs-programm Euring (siehe www.euring.org). Innerhalb dieses Vorhabens werden in zahlreichen europäischen Ländern während der Brut- sowie der Zugzeit im Herbst an Schlafplätzen Rauchschwalben markiert (siehe auch www.hirundorustica.com). Außerdem folgen europäische Biologen den Rauchschwalben zu Forschungszwecken in die Sahara sowie in ihre afrikanischen Überwinterungsgebiete südlich des Äquators. Mit diesem gemeinsamen Forschungsvorhaben möchte man neue Erkenntnisse über den Zug und die Überwinterung der sich um Rückgang befindlichen Vogelart zu erlangen und daraus noch effektivere Schutzmaßnahmen für die Art ableiten.

Im Kohrener Land werden Jung- und Altvögel der Rauchschwalbe am Brutort, sowie am Schlafplatz im Teichgebiet Eschefeld beringt. Die Markierung erfolgt mit kleinen Aluminium-Ringen der Vogelwarte Hiddensee, die am Bein der Tiere angebracht werden. Die Beringung ermöglicht genauere Aussagen zu Partner- und Brutplatztreue, Neuansiedlung sowie über zu lokalen und regionalen Wanderbewegungen. Diese Aussagen sollen unmittelbar in regionale Schutzkonzepte für die Rauchschwalbe einfließen.

Kontrolle der Nester

Die Beringung der jungen Rauchschwalben wurde im Zeitraum zwischen vier und vierzehn Tagen nach dem Schlupf durchgeführt. Früher wäre es schwierig gewesen, die Ringe anzubringen, da die Jungtiere zu klein waren und ihre Beine noch zu dick sind. Außerdem bestand in den ersten Tagen nach dem Schlupf die Gefahr, dass die Elterntiere die Ringe der Jungvögel als Kotballen identifizieren und sie samt den Ringen aus dem Nest entfernen könnten.

Bei Jungvögeln, die älter als vierzehn Tage waren, bestand das Risiko, dass sie fast flugfähig waren und bei Stress aus dem Nest springen könnten. Aus diesem Grund wurde auf eine Beringung dieser älteren Jungvögel verzichtet.

Für die Beringung wurden Aluminium-Fußringe der Beringungszentrale Hiddensee verwendet, die mithilfe einer Spitzzange am Bein angebracht wurden, während die Nestlinge zwischen Zeige- und Mittelfinger gehalten wurden. Die Verwendung der Zange ermöglichte eine enge Verschließung der Ringe, um Verletzungen oder das Abrutschen der Ringe im späteren Leben durch Flug oder Fang vorzubeugen.

Nach der Beringung wurden alle Nestlinge wieder mit dem Kopf nach vorn in ihr Nest gesetzt, um eine optimale Nahrungsaufnahme zu gewährleisten. Im Gegensatz zu einigen Säugetieren wie Rehen und Hasen wurden die Nestlinge weiterhin von den Elterntieren angenommen und gefüttert, auch nachdem sie vom Menschen berührt wurden. Es wurde kein Verhalten der Altvögel beobachtet, das auf eine Ablehnung der Jungen nach der Beringung hinwies.

Beringung der Juvenilen

Die Rauchschwalbe wird aufgrund ihres Schutzstatus als besonders geschützte Art betrachtet. Um die Tiere zu fangen und zu beringen, wurde im Vorfeld eine angemessene artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung gemäß § 45 Abs. 7 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) eingeholt. Zusätzlich liegt eine Genehmigung für den Fang mittels Netzen und die Beringung von Vögeln durch das Landratsamt Landkreis Leipzig vor.

In Absprache mit den jeweiligen Grundstücksbesitzenden wurden die Nester erfasst und mithilfe eines beweglichen Spiegels an einer Teleskopstange wurde die Anzahl der Eier oder der geschlüpften Jungvögel festgestellt. Anschließend wurden die Nester zugänglich gemacht, indem Leitern oder ähnliche Hilfsmittel verwendet wurden, um die Jungvögel aus den Nestern zu entnehmen und zu beringen. Die einzelnen Tätigkeiten erfolgten entsprechend der im Feldbuch dokumentierten Daten je nach Bedarf.

Die erhobenen Daten wurden nachträglich in die Beringungsliste der Vogelwarte Hiddensee sowie in die Nestlisten des EURING-Programms und die Beringungslisten des Nestbereichs EURING eingetragen.

Altvogelfang am Brutplatz und Beringung

Die Beringung von Brutvögeln findet generell erst statt, wenn die Paare seit mehreren Tagen mit dem Brutvorgang beschäftigt oder Jungvögel im Nest sind. Dies minimiert die Störung, insbesondere wenn die Zeit gekommen ist, die Jungtiere zu füttern. Dabei sollten die Jungtiere mindestens zwei bis drei Tage alt sein, da sie in diesem Alter für eine gewisse Zeit (zehn bis fünfzehn Minuten) ohne Futter auskommen können. Rauchschwalben lassen sich am effektivsten mit Stellnetzen oder Japannetzen vor Stallfenstern oder auch innerhalb von Gebäuden fangen.

Zum Fang der Altvögel wurden alle möglichen Einflugmöglichkeiten bis auf eine verschlossen. Das Stellnetz wurde außerhalb der Fangöffnung vorbereitet. Dann war es möglich, es innerhalb des Gebäudes oder sonst außerhalb, vor einem offenen Fenster oder einer Tür aufzustellen. Insbesondere erwies sich die Methode, sich selbst innerhalb des Brutgebäudes aufzustellen und den Einflug der Elterntiere abzuwarten, als sehr effektiv. Durch seitliches Positionieren neben der Öffnung im Raum blieben die Fangenden für die Rauchschwalben meist unsichtbar. Das Stellnetz wurde je nach Größe der Öffnung und den räumlichen Gegebenheiten etwa zwanzig Zentimeter bis teilweise zwei Meter entfernt aufgestellt oder gehalten. Die dunkle Farbe des Netzes erwies sich beim Einflug der Schwalben in das Gebäude als vorteilhaft.

Um Verletzungen beim Entfernen der Vögel aus dem Netz zu vermeiden, wurden zuerst die Füße, dann die Flügel und schließlich der Kopf vorsichtig befreit und das Tier vorübergehend in einem speziellen, sicherheitsgeprüften Stoffbeutel aufbewahrt.

Sofern es sich nicht um einen bereits beringten Vogel handelte, erfolgte anschließend die Beringung der Altvögel. Danach wurden bei allen adulten Vögeln die Masse sowie das Fettdepot und die Brustmuskulatur bestimmt. Außerdem wurden die Länge der linken und rechten Schwanzfedern sowie die längste Handschwinge des rechten Flügels gemessen, gemäß den Vorgaben des EURING-Programms.

Die Geschlechtsbestimmung erfolgte anhand der Länge der Schwanzfedern, wobei besonders das Vorhandensein des Brutfleckes zur Identifizierung genutzt wurde.

Es wurde auch dokumentiert, ob ein starker Befall von Lausfliegen aus der Familie der Hippoboscidae (Ektoparasiten) vorlag. Zusätzlich wurde auf besondere Auffälligkeiten und Merkmalen geachtet, wie zum Beispiel eine braune Brust, den Verlust einer Schwanzspitze oder die Färbung der Stirn (heller bis gefleckt).

Nach der Beringung und Vermessung wurden die erwachsenen Vögel freigelassen.

Wiederfunde

Jahrelanges Beringen von nestjungen Rauchschwalben im Rahmen der Untersuchungen im Kohrener Land zeigt, dass eine Wiederansiedelung am Ort des Schlüpfens für Rauchschwalben eine Seltenheit ist. Besonders an Einzelbrutplätzen würden diese Jungtiere eine Konkurrenz zu ihren Eltern darstellen. Tatsächlich wurden die Wiederfunde von Rauchschwalben am Ort ihres Schlüpfens ausschließlich an Koloniebrutorten nachgewiesen. Ein sehr interessanter Wiederfund wurde am 11.06.2023 in Eschefeld getätigt. Es handelt sich hierbei um ein 2017 als bereits adult, also mindestens einjährig, beringtes Männchen desselben Brutortes. Mit mindestens sechs Jahren ist es somit die zweitälteste Schwalbe unserer Untersuchungen im Kohrener Land.

An Koloniestandorten sind mehr Ressourcen in Form von Nahrung, Nistmaterial und vor allem Nistplätzen vorhanden, so dass die Neuansiedelung von Jungtieren des Vorjahres kaum einen verdrängenden Effekt auf die Alteingesessenen haben dürfte.

Markierung - Geolokatoren

Moderne Geolokatoren wiegen weniger als ein Gramm. Sie werden auf dem Rücken von Vögeln angebracht. Die Lokatoren bestehen aus einer Photozelle, welche die Lichtstärke misst, einer Uhr und einem Chip zur Aufzeichnung der Lichtstärke im zeitlichen Verlauf. Aus dem Zeitpunkt von Mittag (größte Helligkeit) und Mitternacht lässt sich die geographische Länge, aus der Tageslichtdauer und der Nachtlänge die geographische Breite errechnen. Aus diesen Werten kann die Zugroute ermittelt werden. Um die Daten des Geolokators auszulesen, muss der Vogel wieder einfangen werden.

Erstmals setzten wir 2015 Geolokatoren der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, die zusammen mit der Hochschule Bern entwickelt wurden, im Untersuchungsgebiet ein. 2019 konnten wir mit Geolokatoren der Firma Biotrac arbeiten.

Aufgrund der Möglichkeit einer Förderung durch die Richtlinie Natürliches Erbe, war es uns auch 2022 und 2023 wieder möglich mit Geolokatoren zu arbeiten. Dazu nutzten wir Geolokatoren der Firma Migrate Technology. Diese stellt modernste Geolokatoren mit einem sehr geringen Gewicht her. Die Geolokatoren haben eine Größe von 12 x 5 x 5,5 Millimetern und wiegen 0,48 Gramm. Bei der Beschaffung der Technik unterstützte uns das Forschungs- und Transferzentrum der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig.

Im Jahr 2022 wurden 60 Geolokatoren an adulten Rauchschwalben am Brutort angebracht. 2023 erhielten wir die Möglichkeit, noch einmal zwanzig zusätzliche Geolokatoren zur Verfügung gestellt zu bekommen. Sie wurden vorzugsweise an Brutvögeln der Rauchschwalbe angebracht, die schon zuvor einen Geolokator getragen hatten. Aufgrund der niedrigen Wiederfundraten von geoloktortragenden Schwalben an Einzelbrutplätzen, entschieden wir uns 2023 nur Schwalben in Kolonien mit Geolokatoren auszustatten. Zusätzlich zum Geolokator erhielt die Rauchschwalbe einen Fußring der Beringungszentrale Hiddensee.

Die Bergung von Geolokatoren ist nicht einfach und zeitaufwendig. Der Vogel, der einen Geolokator trägt, sendet keine Signale, die auf ihn hinweisen. Außerdem wurde er an dem Brutort schon einmal gefangen und die Schwalben verfügen über Kenntnisse dem Fangnetz auszuweichen. Mit viel Erfahrung und dem Hoffen auf die typische Brutplatztreue, ist es möglich die mit Lokatoren bestückten Vögel wieder zu fangen und ihnen den Lokator abzunehmen.