
Quellen
MOELLER AND TEGELSTRÖM 1997Extra-pair paternity and tail ornamentation in the barn swallow Hirundo rustica. Behav Ecol Sociobiol 41: 353-360 MOELLER ET AL. 2002Extrapair paternity in
Mitglieder vom GRÜNEN LIGA Kohrener Land e.V. beschäftigen sich seit dem Jahre 2000 mit der Markierung von Rauchschwalben im Rahmen des internationalen Programms Euring. Die Beteiligung an diesem Programm erfolgte bis 2002 nur sporadisch an wenigen Orten im Kohrener Land. Im Jahre 2003 konnte eine Zusammenarbeit mit dem Institut für Zoologie II der Universität Leipzig gestartet werden. Seit dem Jahr erfolgt die Forschung an der Rauchschwalbe größtenteils im Rahmen eines Praktikums Verhaltensökologie für Biologiestudenten im Hauptstudium. Die Studenten bilden in ihrem Praktikum Teams und bekommen eine Anzahl von Ortschaften innerhalb unseres Untersuchungsgebietes mit einer Größe von 150 km2 im Kohrener Land übertragen.
Dort erfassen sie von der Ankunft der Rauchschwalbe im April bis zur letzten Brut alle Brutaktivitäten. So werden Körperdaten wie Flügel- und Schwanzlänge, Fettstatus, Gewicht, brutbiologische Daten wie Ankunft am Brutort, Schlupfrate, Brutdauer, Ausflugrate, aber auch abiotische Daten wie Neststandort, Art der Bewirtschaftung des Umfeldes der Brutplätze erfasst. Diese werden jährlich ausgewertet und die Jahre untereinander verglichen. Die Jungvögel wie auch die Alttiere werden von einem Beringer mit Ringen der Vogelwarte Hiddensee markiert (siehe Beringung). Außerdem findet seit 2005 zur Zugzeit von Ende Juli bis Ende September jeden Jahres ein Fang von Rauchschwalben auf dem Zug am Schlafplatz im NSG Eschfelder Teiche statt.
Die folgenden Fragestellungen stehen innerhalb der Forschung an der Rauchschwalbe im Mittelpunkt des Interesses.
Koloniebrutplätze beherbergen eine Zahl von mindestens sieben Rauchschwalbenpaaren. Das wurde vor Jahren für unsere Untersuchungen festgelegt. Die Kolonien befinden sich meist in größeren Stallungen, an denen entweder aktuell Tierhaltung betrieben wird oder lange Zeit wurde.
Sie unterscheiden sich von den Einzelbrutplätzen des Weiteren durch ein höheres Insektenaufkommen vor Ort. Die Verfügbarkeit von Wasser ist durch das Tränken der Tiere oder Reinigungsarbeiten, sichergestellt. Oftmals ergeben sich durch Fahrrinnen auf unbefestigten Wegen schlammige Pfützen, die Nistmaterial bereitstellen können. Durch die Anwesenheit der in den Ställen gehaltenen Tiere ist mit konstanten Temperaturen, vor allem im Tag-Nacht-Vergleich zu rechnen. Öfter als an Einzelbrutplätzen, sind die Rauchschwalben hier künstlichem Licht ausgesetzt.
2022 wurden in den Kolonien während der ersten Brutperiode insgesamt 56 Nester untersucht. Dabei konnten 226 Eier gezählt werden, was einer durchschnittlichen Gelegegröße von 4,0 Eiern pro Nest entspricht. In die Auswertung der zweiten Brutperiode flossen 41 Nester ein, die insgesamt 155 Eier enthielten, wodurch eine durchschnittliche Gelegegröße von 3,8 Eiern ermittelt wurde.
Im Jahr 2023 wurden in den Kolonien in der ersten Brutperiode 66 Nester untersucht und dabei insgesamt 304 Eier gezählt, was zu einer durchschnittlichen Gelegegröße von 4,6 Eiern pro Nest führte. Für die zweite Brutperiode konnten 48 Nester ausgewertet werden, die insgesamt 192 Eier enthielten. Daraus ergab sich eine durchschnittliche Gelegegröße von 4,0 Eiern.
Im Vergleich mit früheren Jahren und mit der Literatur muss festgestellt werden, dass die Gelegegröße im Jahr 2022 unterdurchschnittlich gering ausfiel. Die Gelegegrößen 2023 befanden sich hingegen im Bereich der Vergleichsdaten. Ein Grund dafür kann in der sehr trockenen, niederschlagsarmen Witterung zu sehen sein. Diese beeinflusst wiederum die Ausbildung der als Nahrungsgrundlage dienenden Fluginsektendichte in der Region.
Rauchschwalben bevorzugen einzelne Räume zum Brüten und gesellen sich nur zu anderen Paaren hinzu, wenn sie dort ihr bereits angestammtes Nest aufsuchen. Die Männchen kommen zuerst an den Brutorten an. Sie suchen das Nest aus, verbessern oder bauen neu. Nach der Verpaarung mit einem Weibchen kann dieses und der Brutraum an Einzelbrutplätzen im Gegensatz zum Koloniebrutplatz besser gegen Konkurrenten verteidigt werden. Zudem ist der Zugang zu den lokalen Nahrungsquellen exklusiver für das eine oder die wenigen, einzelnen Paare, als in einer Kolonie.
An den Einzelbrutplätzen des Kohrener Landes wird heutzutage immer seltener Tierhaltung betrieben. Womit für die Rauchschwalben ein Rückgang der Insekten, sowie der Wasserverfügbarkeit, die über das Tränken der Tiere oder das Reinigen von Arbeitsmaterialien gewährleistet wurde, entsteht. Fluginsekten sind die Hauptnahrung der Rauchschwalben, weshalb sie gern im ländlichen Raum, in der Nähe oder direkt dort brüten, wo Viehbestand noch vorhanden ist.
Die fehlende Zugänglichkeit zu aufgewühltem Boden für das Sammeln von Nistmaterial, kann sich an den „aufgeräumten“, vorrangig zum Wohnen genutzten, ehemaligen Hofanlagen, auch negativ auf das Brutgeschehen auswirken. Nester, die nicht stabil genug gebaut werden konnten, sind gefährdet unter der zunehmenden Last der Jungvögel herab zu stützen.
An vielen dieser Orte bestehen noch die ehemaligen Stallräume zur Haltung von kleineren Tierbeständen. Diese einzelnen Räumlichkeiten kommen der Vorliebe der Rauchschwalbe entgegen abgegrenzt von anderen Paaren zu brüten. Viele dieser Einzelbrutplätze sind seit Jahrzehnten angestammte Brutorte und werden auch von Brutpaaren neubesiedelt.
Insgesamt wurden im Jahr 2022 42 Gehöfte mit 58 Brutpaaren an zwölf Geländeterminen untersucht. Ausgewertet werden konnten zur ersten Brutperiode 48 Bruten mit insgesamt 209 Eiern, woraus sich eine durchschnittliche Gelegegröße von 4,35 Eiern je Nest ergibt. Zur zweiten Brutperiode waren es noch durchschnittlich 4,11 Eier je Nest. Auf neun der langjährig untersuchten Gehöfte wurden gar keine Rauchschwalbenbruten mehr aufgefunden. Einige Hofbewohnende gaben in diesem Jahr an, dass sich die Anzahl der zurückgekehrten Rauchschwalben auf ihren Höfen verringert hätte.
2023 musste vielerorts das Ausbleiben einer 2. Brut beschrieben werden. Die 1. Brut wurde mit 53 Gelegen, mit Zahlen von Eiern oder Jungvögeln, in die Bewertungen aufgenommen. Für die durchschnittliche Gelegegröße ergab sich hier 4,37 Eier je Brut.
Zur 2. Brut kamen nur noch 26 Bruten mit der Anzahl von Eiern oder Jungvögeln zur Auswertung. Es konnten im Schnitt 4,24 Eier pro Nest ermittelt werden.
Die Untersuchungen der Rauchschwalbenbruten im Kohrener Land 2022 ergeben, dass die durchschnittliche Gelegegröße sowohl der 1. als auch der 2. Brut mit 4,35 und 4,11 Eiern je Nest an den Einzelbrutplätzen um fast zehn Prozent höher liegt, als an Koloniebrutplätzen.
Zwar ist es im Jahr 2023 ist es zur 1. Brut umgekehrt, doch zur 2. Brut verhält es sich wieder wie zumeist. Die Ei-Anzahl an den Einzelbrutplätzen liegt um etwa zehn Prozent über der an Koloniestandorten.
Der Anzahl Eier und Jungtiere je Brut, sollen im Folgenden Schlupf- und Ausflugsraten gegenüber gestellt werden. Entscheidend für die Anzahl und erfolgreiche Aufzucht der Jungen ist nicht allein die Anzahl der Eier im Nest, sondern auch wie viele der Jungtiere einerseits schlüpfen und andererseits heranwachsen und ausfliegen.
Die innerartliche Konkurrenz um die entscheidende Ressource Nahrung spielt an Koloniestandorten eine größere Rolle. Das ist vor allem bei den frühen und 1. Bruten der Fall, da die Insektendichte noch nicht hoch genug ist, um die zunehmend und in verschiedenen Staffelungen ankommenden und sich niederlassenden Rauchschwalbenpaare früh im Jahr mit ausreichend Futter zu versorgen.
Brutplatzmangel existiert es an den Koloniestandorten nicht, so wird die Nahrung zur limitierenden Ressource.
An Einzelbrutplätzen mit weniger Brutpaaren hingegen muss das Nahrungsangebot nicht geteilt werden. Ein kleinerer, übersichtlicher Raum kann besser gegen später eintreffende Konkurrenten verteidigt werden. So zeigen sich Einzelbrutplätze in der Gelegegröße, besonders zur ersten Brut, als die zahlenmäßig erfolgreicheren Standorte entgegen den Koloniebrutplätzen.
Koloniebrutplätze stellen jedoch in unserer Datenerhebung im Vergleich zu Einzelbrutplätzen einen erfolgversprechenderen Aufzuchtort für die Rauchschwalbennachkommenschaft dar. Tabelle 3 und 4 zeigen, dass sowohl die Schlupf- als auch die Ausflugsrate in den Jahren 2022 und 2023 zur 2. Brut höher liegen. Nur zur 1. Brut im Jahr 2023 sind die Raten zum erfolgreichen Ausbrüten und Ausfliegen der Jungtiere an Einzelbrutplätzen geringfügig höher.
In Kolonien ist über das Warnen von Artgenossen der Schutz vor Nesträubern in höherem Maße gegeben. Koloniebrutstätten zeichnen sich auf Grund ihrer landwirtschaftlichen Nutzung und hier vor allem auch durch die Brutsaison über garantierte, umfängliche Tierhaltung aus. Damit geht vor allem die Verfügbarkeit insbesondere von Fluginsekten einher, die für die Fütterung der nestjungen Rauchschwalben von grundlegender Bedeutung ist.
Als ein weiterer Vorteil wird der mögliche Einsatz von „Helferschwalben“ vermutet. Diese unverpaarten, jungen, vornehmlich Männchen, könnten soziale Unterstützungseffekte in der Aufzucht der Jungtiere haben. Sie wurden im Kohrener Land schon an Einzelbrutplätzen beobachtet. Die positiven Auswirkungen zur Nestlingspflege besonders in Kolonien, konnten wissenschaftlich jedoch bislang nicht belegt werden.
Die Gelegegröße im Untersuchungsgebiet Kohrener Land sinkt sowohl bei den Kolonie- als auch bei den Einzelbrutplätzen von 2014 zu den aktuelleren Daten von 2022 und 2023 insgesamt deutlich. So ist die Gelegegröße bei der 1. Brut in Kolonien von 2014 zu 2022 um 15 Prozent geringer. Allerdings muss erwähnt werden, dass 2022 ein sehr schlechtes Jahr für die Rauchschwalbe im Kohrener Land darstellte.
Anzahl der untersuchten Gelege in der Tabelle:
2013: k. A.
2014: 1. Brut: n (Kolonie) = 107; n (Einzel) = 145; 2. Brut: n (Kolonie) = 86; n (Einzel) = 104;
2022: 1. Brut: n (Kolonie) = 56; n (Einzel) = 48; 2. Brut: n (Kolonie) = 41; n (Einzel) = 28;
2023: 1. Brut: n (Kolonie) = 66; n (Einzel) = 41; 2. Brut: n (Kolonie) = 48; n (Einzel) = 29;
Die unten stehende Tabelle 2 bezieht zusätzlich durchschnittliche Gelegegrößen der Folgejahre 2004, 2005 und 2007, 2008 mit ein und zeigt eine deutlich größere Anzahl Eier pro Nest in früheren Jahren an. In den Jahren vor 2008 sind durchschnittlich 4,7 Eier je Nest normal.
Eine Verkleinerung der Gelege, sowohl bei Einzel- als auch Koloniestandorten im Kohrener Land in den letzten Jahrzehnten, kann als Strategie auf den Rückgang von Nahrung zu deuten sein. Kleinere Gelegegrößen in den 1. Bruten, bewirken eine geringere Sterblichkeit von Nestjungen. Es ist nachvollziehbar, dass weniger Jungvögel weniger Nahrung brauchen.
Im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren ist bei Rauchschwalbengelegen der Brutpopulation des Kohrener Landes ein Rückgang der Nachkommenschaft schon an der Gelegegröße erkennbar.

MOELLER AND TEGELSTRÖM 1997Extra-pair paternity and tail ornamentation in the barn swallow Hirundo rustica. Behav Ecol Sociobiol 41: 353-360 MOELLER ET AL. 2002Extrapair paternity in

Kurz vor ihrem Rückzug nach Afrika sammeln sich junge und alte Rauchschwalben meist zu hunderten an so genannten Schlafplätzen. Diese befinden sich oft im Schilf,

Viele Anwohner berichten, dass die Zahl der Schwalben zurückgegangen ist, seit viele Leitungen (Telefon, etc.) unterirdisch verlegt werden. Auch gibt es einige Äußerungen, dass die

Viele Nester sind durch mangelndes Baumaterial und durch schlechten Untergrund absturzgefährdet. Dies ist aber kein Grund zur Panik! Mit einfachen Mitteln kann man den Rauchschwalben

Die Auswahl des Brutortes bzw. Neststandortes wird maßgeblich durch das Nahrungsangebot bestimmt. In Ställen, wo „Belästigungen“ durch Insekten vermieden werden sollen, werden gedankenlos Klebestreifen aufgehängt

Fast jeder weiß, dass Insekten ab einer bestimmten Temperatur in eine Kältestarre verfallen oder einige Tiere Winterschlaf halten. Doch wem ist so was schon von
Von 2020 bis 2024 haben wir als GRÜNE LIGA Kohrener Land e.V. in Zusammenarbeit mit verschiedenen Gehöften und tollen Freiwilligen die Rauchschwalbenpopulation im Kohrener Land auf ihre Größe und ihre Reproduktionsfähigkeit untersucht. Dabei wurden Jung- und Altvögel mit Fußringen markiert aber auch und das ist neu: Geolokatoren eingesetzt.
Wir erhoffen uns durch diese neue Technik wichtige neue Erkenntnisse zum Zuge dieser im Rückgang befindlichen Art.
Zuständig für die Durchführung des ELER-Förderung im Freistaat Sachsen ist das Staatsministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft, Referat Förderstrategie, ELER-Verwaltungsbehörde.
Unsere jahrelange Arbeit kann nur nachhaltige Ergebnisse und Wirkung bei den Rauchschwalben im Kohrener Land erzielen, wenn ein stetige Unterstützung finden. Wir bedanken uns für allen Spenden und den Projektförderungen.




Unser Themen wie Umweltschutz, Denkmalpflege und Artenschutz entwickeln sich besonders durch den lebhaften und gestalteten Austausch zwischen ländlichem und urbanem Raum.
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