Die Rauchschwalben brüten ausschließlich in den nördlichen Breiten, sowohl in Europa und Asien, als auch in Nordamerika. In ihrem Überwinterungsgebiet südlich des Äquators finden keine Bruten statt.
Die Tiere treffen frühestens Ende März/Anfang April in unseren Breiten ein. Im Kohrener Land werden die ersten Tiere meist um den 10. April beobachtet. Hier beginnen sie mit der Balz und der Paarbildung. Rauchschwalben bilden in der Regel monogame Saisonehen, aber auch Bigamie ist nicht selten. Treue zum Partner des letzten Jahres ist keine Seltenheit, aufgrund der geringen Lebenserwartung kommt es jedoch auch oft zu Neuverpaarungen zu Beginn der Brutsaison. Innerhalb der Saison ist dies nur nach Verlust des Partners beobachtet wurden.
Nach der Paarbildung beginnen beide Partner mit dem Nestbau. Hierbei ist meist das Männchen für die Nistplatzwahl zuständig. Gerne werden bereits aus den Vorjahren bestehende Nester genutzt. Besonders die Männchen sind sehr Brutorttreu und kehren jedes Jahr in ihre angestammte Umgebung zurück. Am Bau des Nestes sind beide Partner in gleichem Ausmaß beteiligt und 8 – 12 Tage (Mitte der Saison oft nur noch 3 – 4 Tage) beschäftigt.
Für den Nestbau werden vor allem Stroh und Lehm verwendet, die mit Speichel verklebt werden. Zur Auspolsterung dienen Heu, Tierhaare und Federn.
Ende April/Anfang Mai beginnt dann die erste Brutperiode. Das Weibchen legt 3 – 6 (selten 2 oder 7) Eier und bebrütet diese allein. Nach 12 – 16 Tagen schlüpfen die Jungen, die Brutzeit kann sich jedoch durch ungünstige Witterungsbedingungen (Kälte, Regen,…aber auch lange Hitzeperioden) verlängern.
Nach einer Nestlingszeit von 18-22 Tagen verlassen die Jungen das Nest. An der Jungenaufzucht sind beide Elternteile beteiligt. Auch nach Verlassen des Nestes halten sich die Jungtiere noch in deren Nähe auf und werden noch einige Tage von den Altvögeln gefüttert. Auch später kommen sie häufig über Nacht zum Brutplatz zurück, bevor sie sich an Schlafplätzen im Schilf sammeln. Im Juli beginnen die meisten Rauchschwalbenpaare eine 2. Brut. Für diese kann das Nest der ersten Brut genutzt oder aber ein ganz neues bezogen werden. Oft richtet sich das nach dem Bruterfolg der ersten Brut. Bei starkem Parasitenbefall wird es meist vorgezogen, ein neues Nest zu bauen, statt das befallene noch mal zu nutzen. Meist sind die Gelege zu dieser Zeit kleiner (bis 5 Eier). Nach dem Schlupf etwa im August haben diese Jungen durchaus eine gute Chance, bis zum Zug Richtung Afrika kräftig genug zu sein.
Bei günstiger Witterung können Paaren, die mit beiden Bruten sehr früh begonnen haben auch noch ein 3. Gelege ausbrüten. Dies ist allerdings eher selten und oft erfolglos (H. Brombach, 2004), wenn aufgrund von Kälteeinbruch die Gelege verlassen werden müssen. Allerdings wurden auch schon Junge, die Anfang September geschlüpft sind erfolgreich aufgezogen.
Einjährige Tiere und Altvögel, die keinen Brutpartner gefunden haben beteiligen sich oft an der Aufzucht fremder Jungschwalben mit. Diese sogenannten Helferschwalben müssen in keinem Verwandtschaftsverhältnis zu dem Brutpaar stehen, sind jedoch oft Jungtiere mindestens eines der beiden Partner aus dem Vorjahr.
Ansonsten siedeln sich die Jungtiere meist nicht direkt am Geburtsort an, sondern in einiger Entfernung, so dass Inzuchtpaarungen zum Großteil vermieden werden. Ab September verlassen die adulten Schwalben ihr Brutgebiet, Jungvögel schließen sich meist schon früher zusammen und ziehen eine Zeit lang im Umkreis von ca. 200 km um ihren Geburtsort umher, bevor sie ins Überwinterungsgebiet aufbrechen. Brutpartner reisen selten gemeinsam ab, meist geschieht das gestaffelt innerhalb weniger Tage. (Glutz, 1985)